9.11.2021 - Trinkwasser in Roggenburg - Stand der Dinge

Trinkwasseruntersuchung

Bürgermeister Mathias Stölzle und Dipl.Ing. Ulrich Pühler, Ingenieurbüro Wassermüller Ulm GmbH, informierten die Mitglieder des Gemeinderates in der Sitzung am 9. November über die Problematik im Bereich der Trinkwasserversorgung, die sich seit Ende August mit dem Eintrag von Keimen durch den Brunnen Biberach ergeben hat. Seitens des Gesundheitsamtes wurde am 3. September ein Abkochgebot für die Ortsteile Biberach, Schießen und Schleebuch festgesetzt, das Trinkwasser wird seither zum Schutz der Verbraucher gechlort. Die Trinkwasserbrunnen in Biberach und auch in Schießen wurden vom Netz genommen – das gesamte Ortsgebiet wird seither ausschließlich durch den Brunnen in Roggenburg versorgt, dessen Werte über den gesamten Zeitraum ohne Beanstandung sind. Die Ortsteile Meßhofen, Ingstetten, Roggenburg und Schleebuch sind von den Vorkommnissen nicht betroffen. Die Versorgung dieser Ortsteile ist zum Zeitpunkt des Eintrags der Keimbelastung über den „alten“ Hochbehälter aus Roggenburg erfolgt, dessen Trinkwasserqualität zu keinem Zeitpunkt eingeschränkt war.

 

Rund 14 Tage nach dem Eintrag konnten im gesamten Versorgungsnetz keine schädliche Keimbelastung mehr nachgewiesen werden, so dass das Abkochgebot nach rund drei Wochen wieder aufgehoben werden konnte.

 

Allerdings stimmen nach wie vor einzelne Parameter der Trinkwassereigenschaft nicht – auffällig sind insbesondere die Werte „Kolonienzahl bei 22°C“ und „Kolonienzahl bei 36°C“. 1 ml Grundwasser enthält ca. 10.000 Keime; maßgeblich ist die Anzahl der Koloniebildenden Keime die im Grundwaser aufgund der nährstoffarmen Umgebung im allgemeinen sehr gering ist. Diese Werte bedeuten keine unmittelbare Belastung des Trinkwassers sind jedoch Nährboden für schädliche Keime und müssen deshalb sorgsam beobachtet werden.

 

Obwohl die neuen Hochbehälter ausschließlich mit einwandfreiem Trinkwasser aus dem Brunnen Roggenburg gefüllt werden, kam es immer wieder zu einer Überschreitung der Parameter „Kolonienzahlen“. Aus diesem Grund wird das Trinkwasser weiterhin gechlort, allerdings konnte die Konzentration der Zumischung verringert werden.

 

Auf der Suche nach baulichen Mängeln oder Verbesserungsmöglichkeiten in der neuen Anlage wurde ein zusätzliches Be- und Entlüftungsventil zur Vermeidung einer schädlichen Luftblasenbildung eingebaut. Im Zuge der Nachrüstung wurden benachbarte Rohrleitungen und Dichtungen ausgebaut und überprüft. Dabei wurden Dichtungen gefunden, die von einem starken Biofilm überzogen waren und evtl. nicht den Vorgaben für die Verwendung in Trinkwasserversorgungsanlagen entsprechen. Dieser bauliche Mänel könnte Ursache für die Problematik in den Hochbehältern sein. Die Installationsfirma hat sich daraufhin entschlossen, alle 160 eingebauten Dichtungen zu wechseln, die Arbeiten dazu sind in vollem Gange und werden noch einige Tage andauern. Im Laufe der Arbeiten kann es zu Druckschwankungen in den Versorgungsnetzen von Biberach, Schießen und Unteregg kommen.

 

Unabhängig von der Problematik in den neuen Anlagenteilen sind auch die Brunnenstandorte Biberach und Schießen auffällig, hier sind erneut coliforme Keime nachweisbar. Auch die Brunnen müssen gutachterlich untersucht und ggfs. ertüchtigt werden, für die geologischen Fragen ist das Büro Kling Consult beauftragt. Die aktuell durchgeführte Chlorung des Trinkwassers am Schnittpunkt zwischen Hochbehälter und Versorgungsleitungen nach Biberach und Schießen wird umgebaut und in die Brunnenstuben der Trinkwasserbrunnen Biberach und Schießen 2 verlegt. Dadurch wird sich die in den Haushalten wahrnehmbare Chlorbelastung weiter vermindern. Die Chlorung wird die betroffenen Ortsteile aber vermutlich noch einige Wochen begleiten.

 

Wie kommt es zu der Keimbelastung in den Brunnen? In den drei sehr trockenen Jahren 2018 – 2020 ist das Erdreich viele Meter tief ausgetrocknet – es haben sich Trockenrisse und -spalten gebildet. Den trockenen Jahren folgte 2021 ein niederschlagsreiches Jahr, mittlerweile sind die Erdschichten vom Oberboden bis zum Trinkwasserleiter durchfeuchtet, unterstützt durch die Trockenrisse haben sich hydraulische Fenster gebildet, oberflächennahes Wasser dringt auf einmal tief in das Erdreich ein. Beim Einschalten der Brunnnenpumpen wird der Wasserpegel in den Brunnenrohren um mehrere Meter abgesenkt. Durch den starken Sog wird Oberflächenwasser in den Brunnen eingezogen und gemeinsam mit dem Grundwasser in den Hochbehälter gepumpt. Oberflächenwasser kann mit Keimen belastet sein, diese sind seit September immer wieder bei mikrobiologischen Untersuchungen der Brunnen nachweisbar. Die Brunnenstuben in Biberach und Schießen sind mittlerweile viele Jahrzehnte in Betrieb. Auch hier finden Untersuchungen statt, ob bauliche Nachrüstungen erforderlich sind – beispielsweise eine bessere Abdichtung gegen das Eindringen von Insekten, etc. Zugleich muss die Umgebung der Brunngen geologisch untersucht werden, ob auch hier Bau- und Abdichtungsmaßnahmen erforderlich sind. Themen, die kurzfristig abgestellt oder verbessert werden können, sind selbstverständlich alle beauftragt. Einige Verfahrensschritte benötigen aber Zeit und eine sorgfältige Abstimmung mit den Fachbehörden. Ziel ist es, beide Brunnenstandorte baldmöglichst wieder an das Versorgungsnetz anzuschließen ohne dem Trinkwasser Chlor zur Desinfektion beizumischen.

 

Gesundheitsamt, Gemeindeverwaltung, die beauftragten Fachbüros sowie die betroffenen Firmen arbeiten vertrauensvoll, engagiert und zielgerichtet zusammen.

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